Wenn die Zeit stillsteht ...


… und jedes kleine Detail dir eine Geschichte erzählt, dann bist du in dem kleinen, pittoresken „Museum of the History of Hairdressing“ in Griechenland, das nicht nur landesweit einzigartig ist, sondern auf dem gesamten Balkan seinesgleichen sucht. Weltweit kann sich dieses Kleinod, eingebettet in die Häuserreihen rund um den Dorfplatz des Städtchens Efpalio, in Phokis, Mittelgriechenland, auf einer Skala derartiger Museen immerhin auf Platz fünf wiederfinden. Nicht, weil es besonders groß oder pompös wäre, wohl gerade deshalb eben nicht! Es ist ein kleiner, heller und nostalgischer Raum, liebevoll und wohlgeordnet einem Barbier-Salon aus der Vergangenheit nachempfunden, in dem jedes auch noch so kleine antike Stück Barbier-Geschichte seinen Platz findet.

Ein Wohlgeruch empfängt mich, zitrusfrisch, eine Eau-de-Cologne-Komposition, versprüht aus einem antiken Zerstäuber, der früher dem frisch rasierten und frisierten Mann den letzten Schliff verlieh. Ich fühle mich in eine andere Zeit versetzt, eine Zeit, die mich an meine Eltern und Großeltern erinnert, an meine Wurzeln …

Jianna Katsarou, Oberstufenlehrerin in Efpalio und für die Öffnung des Museums und die Rundgänge verantwortlich, erzählt uns über die Entstehung des Museums, über den Ablauf in einem Barbier-Salon damals, die Nutzung der Geräte und auch darüber, welche gesellschaftliche Bedeutung ein solcher Salon für die Menschen innehatte. Er war nicht nur ein Raum der Pflege und der Schönheit, sondern ein Ort, an dem auch Nachrichten ausgetauscht, gelesen, gesungen und musiziert wurde.

Der Barbier war eben nicht nur für das Äußere zuständig, er bot der Gemeinschaft einen Platz, an dem sich Menschen trafen, sich informierten und sich austauschten. Neben Haarschneidegeräten, Kämmen, Waschschüsseln, Rasiermessern und -pinseln, allerlei Parfüms und Cremes finden sich dort ebenfalls kleine Stethoskope in der Sammlung. Denn ein Barbier war oft auch eine Art Arzt, der den Klienten bei gesundheitlichen Problemen einen Rat gab, so berichtet mir Jianna Katsarou.

Besonders freut sie das Interesse von Schulklassen an dem Museum. „Wir haben viele Kinder und Jugendliche, die uns hier besuchen. Im vergangenen Winter waren es rund 1000 Schülerinnen und Schüler, die kamen“, so Katsarou weiter.

Gegründet wurde das Museum von Nikos Jiannakouris und seiner Frau Nina Fragkopoulou, beides Biologie-Professoren und seit 40 Jahren leidenschaftliche Sammler antiker Stücke. Mit Hilfe vieler Freunde und Unterstützer fanden und sortierten sie die zahlreichen Originalstücke. Am 7. Juli 2024 fand die Eröffnung des Museums im Erdgeschoss des Hauses seines Großvaters statt. Dieser inspirierte ihn, als er das Rasierutensilien-Kästchen des Großvaters fand, nebst Fotos, die ihn bei der Rasur zeigten.

Dieser kleine Raum, übervoll mit Erinnerungen und Beweisen der Existenz einer „guten, alten Zeit“ umfängt mich mit den 1001 Geschichten, die ein Barbier wohl hörte, den Geräuschen von Schaum, der auf kratzige Haut aufgetragen wurde und von scharfen Rasiermessern, die fachmännisch angesetzt, für eine glatte Haut sorgten, verbunden mit den aromatischen Düften, die den Raum füllten, dem Tratschen, Lachen und Singen … All das lässt mich wohlig erschauern. Die Zeit steht still, an solchen Orten, man möchte verweilen, alles anschauen und hören, was die Sammlerstücke zu erzählen haben. Ich fühle mich wohl, im Barbier-Salon. Und das ist wohl auch ein Sinn solcher Orte gewesen …

Kontakt:
Museum of the History of Hairdressing
Efpalio – Fokida (Phokis) Mittelgriechenland
Jianna Katsarou