Erinnere dich! Nichts währt ewig!

Man sieht sie in Griechenland überall und immer. Vornehmlich in ländlichen Gegenden, an Straßen, Wegen oder Pfaden, in den Berg eingebettet, am Strand oder auf einen freien Feld und mitunter auch in einem Garten, vor einem Haus oder an dessen Weggabelung.

Diese kleinen religiösen Miniatur-Kirchlein oder Häuschen, die, auch wenn sie schon verwittert sind und windschief stehen, dennoch liebevoll bestückt sind mit Lichtergefäßen, die aus einem speziellen Docht, welcher in einem runden Korkenstück olivenölgetränkt auf dem Öl schwimmt, ihre Brennkraft ziehen, Ikonen, Blumen, Weihrauch und Räucherkohle, sodass ein jeder Vorbeiziehende anhalten und das Licht neu entfachen, etwas Weihrauch entzünden oder einfach einen kurzen Moment verweilen kann, in ein kleines, andächtiges Gebet vertieft, und sich dann, bekreuzigend, weiter auf seinen Weg macht. Daher nennt man sie auch „Proskinitaria“, was sinngemäß übersetzt soviel wie „Anbetungsstätte“ bedeutet.

Diese kleinen religiösen Gebetsstätten haben in der griechisch-orthodoxen Tradition eine bedeutende Rolle und dienen verschiedenen Zwecken:

Votivgaben und Dank: Viele dieser Miniatur-Kirchen werden von Einzelpersonen oder Familien aufgestellt, um Gott oder Heiligen für erhaltene Gnaden oder Gebetserhörungen zu danken. Sie können auch als Zeichen des Glaubens oder des Schutzes aufgestellt werden, um sich vor Unfällen oder Gefahren zu bewahren.

Erinnerung an Unfälle oder Tragödien: Oft werden diese kleinen Kapellen entlang von Straßen oder an gefährlichen Kurven aufgestellt, um an tragische Unfälle zu erinnern. Sie sind eine Art Gedenkstätte für die Opfer und eine Bitte um göttlichen Schutz für die Reisenden.

Religiöser Schutz: Es ist in Griechenland üblich, solche kleinen Anbetungs- und Gebetsstätten aufzustellen, um Gottes Segen oder den Schutz eines bestimmten Heiligen zu erbitten, zu dessen Ehren viele Gebetshäuschen errichtet werden, besonders bevor man auf Reisen geht oder sich einer schwierigen Situation gegenübersieht. Sie bieten somit auch den Gläubigen spirituellen Trost und Sicherheit.

Erhalt religiöser Traditionen: Diese kleinen religiösen Stätten sind auch Ausdruck des tief verwurzelten Glaubens und der Tradition der griechischen Bevölkerung. Sie tragen zur spirituellen Landschaft Griechenlands bei und sind ein sichtbares Symbol für den Glauben der Menschen, der in vielen alltäglichen Aspekten ihres Lebens präsent ist. Sie geben Gläubigen auch außerhalb der Kirche einen Raum, um innezuhalten, ein Gebet zu sprechen oder ein kleines Opfer in Form von Blumen, Weihrauch oder einer Kerze darzubringen. 

Denn jedes Stück trägt eine persönliche Geschichte desjenigen, der es mit Herzblut aufgestellt hat.